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Mi. 31.12.2008, TG

Volle Fahrt voraus

Auch für Anna-Lena Grönefeld sind die besinnlichen Tage des Jahres schon längst wieder vergessen. Wie alle Tennisprofis holt auch sie sich momentan noch den letzten Schliff für den Saisonauftakt. Bei Tennis Germany berichtet sie von ihren Zielen für 2009, dem neuen Spaß am Tennis und ihrem erfolgreichen "Doppelleben". 

Anna-Lena Grönefeld
©Jürgen Hasenkopf

Wer mit den Olympiastützpunkten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) automatisch die Förderung von Randsportarten wie Rudern und Wasserball in Verbindung bringt, wird in Saarbrücken eines Besseren belehrt. Anna-Lena Grönefeld zählt zweifellos zu den größten Talenten des Landes, und sie hat nach dem Bruch mit ihrem Ex-Coach Rafael Font de Mora ihren Lebensmittelpunkt vor zwei Jahren in die saarländische Hauptstadt verlegt. Dort genießt sie nicht nur die Zeit in ihrer ersten eigenen Wohnung, sie arbeitet im Trainingszentrum auch hart während der Saisonvorbereitung.

"Aber jetzt reicht es auch wieder", erklärt Grönefeld, die ungeduldig den ersten Turnieren entgegenfiebert. Sechs lange Wochen wurde im winterlichen Deutschland geschwitzt, und das Tag für Tag. Doch seit sie mit Dirk Dier zusammenarbeitet, hat die Nordhornerin den Spaß am Tennis wiedergefunden. Auch die Schinderei im Kraftraum macht ihr nichts mehr aus, denn der überharte Drill, den sie unter Font de Mora ertragen hatte, ist vergessen.

Unter Dier hat sich für Grönefeld in den letzten zwei Jahren vieles verändert, nicht zuletzt die generelle Herangehensweise an den Sport. "Er hat immer versucht, mir zur sagen, dass Tennis ein Spiel ist, das Spaß machen soll", erzählt Grönefeld. Zu Dier und dessen Frau hatte sie von Beginn an Vertrauen, den "richtigen Draht" eben. In der schwierigen Phase nach der Trennung von Font de Mora war das wohl die entscheidende Basis für sie. Geduldig und behutsam baute Dier sie wieder auf. Sein positiver Einfluß ist Grönefeld auch auf dem Platz anzumerken. "Mein Spiel ist viel variabler und vielschichtiger geworden", bestätigt Grönefeld.

Früher wurde ihr Spiel mitunter als zu eindimensional kritisiert, sie spiele zu unüberlegt und nur mit roher Kraft. Nun glänzt Grönefeld mit cleverer Spielstrategie, sie streut Stopbälle, Lobs oder mal einen kurzen Slice ein, rückt zudem ans Netz vor - verbunden mit ihren aggressiven und wuchtigen Grundschlägen ist Grönefeld für die Gegnerinnen umso schwerer auszurechnen.

Ihr Comeback im Frühjahr verlief besser, als von vielen erwartet. Vorläufiger Höhepunkt wurde das Achtelfinale bei den US Open im September, das ihr die Rückkehr in die Top 100 bescherte. Kein Wunder also, dass sich die Weltranglisten-76. inzwischen wieder höhere Ziele für die neue Saison steckt. "Sicherlich habe ich die Top 50 im Visier", sagt Grönefeld dennoch vorsichtig, "wenn es am Ende des Jahres bis Rang 30 gehen würde, wäre es natürlich super." Dafür muss sie die Leistungen bestätigen, mit denen sie nicht nur in New York begeisterte.

Das tat sie nicht nur alleine auf dem Platz, auch an der Seite der Schweizerin Patty Schnyder zeigte Grönefeld ihre Qualitäten. Wie fröhlich und gelöst sie bei den gemeinsamen Doppelauftritten wirkt, ist dabei nicht zu übersehen. Das Einzel hat für Grönefeld jedoch Priorität, dennoch wird sie mit Schnyder immer mal wieder gemeinsam bei Turnieren antreten. "Es ist ein gutes Training fürs Einzel", sagt Grönefeld, "und vor allem macht es sehr viel Spaß." Bei allem, was sie in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist das sicherlich das Wichtigste. Dass sie überhaupt wieder im Profitennis zurück ist, dürfte wohl ihr größter Sieg sein. Die Rückkehr in die Weltspitze wäre da nur noch eine schöne Zugabe. (DR/TG)

 
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