Der “Big Apple” wartet: Ab Montag steht für die deutschen Spieler in New York City mit den US Open das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres an. Tennis Germany nimmt deswegen wenige Tage vor den ersten Ballwechseln die Form der DTB-Asse unter die Lupe.
"New York ist genau meine Stadt", bekennt Haas. Der dreimalige Viertelfinalist bei den US Open will seine beeindruckende zweite Jahreshälfte in seiner Wahl-Heimat krönen, auch wenn seine bisherigen Ergebnisse auf den amerikanischen Hartplätzen für seine Verhältnisse eher durchschnittlich waren. Los Angeles, Washington, Montreal, Cincinnati - bei vier Vorbereitungsturnieren auf seinem Lieblingsbelag gelang Haas nicht zuletzt wegen Lospech nur ein Halbfinaleinzug. In Cincinnati unterlag er in der vergangenen Woche gar in Runde eins. Dagegen meinte es die Auslosung in New York besser mit dem Publikumsliebling: dem Auftaktmatch gegen einen Qualifikanten folgt eine Zweitrundenpartie gegen Robert Kendrick (USA) oder Martin Vasallo Arguello (ARG).
Tennis Germany tippt: Haas gelingt ein großer Wurf, denn selten kam ihm eine Auslosung dermaßen entgegen: Er kann sich in Ruhe gegen spielerisch deutlich unterlegene Gegner einspielen, trifft in Runde drei mit Fernando Verdasco auf einen ebenso spielstarken, jedoch weniger zielstrebig bzw. hart durchziehenden Kontrahenten - nur um daraufhin im Achtelfinale in einem Blockbuster-Nightmatch gegen Andy Roddick (USA, Bilanz: 7:5 für Haas) antreten zu dürfen. Es folgt ein mögliches Viertelfinale gegen Novak Djokovic (SRB, 4), der zuletzt zwei Mal hintereinander von Haas bezwungen werden konnte. Es darf geträumt werden.
Auch in den letzten Wochen setzte sich die Unbeständigkeit Kohlschreibers fort. Starken Auftritten folgen regelmäßig unerklärliche Pleiten, so dass der Bayer auf der Stelle tritt. "Es ist die Konstanz, die mich von der absoluten Spitze noch unterscheidet", resümierte er im Sommer. In der ersten Runde steht ein Duell mit dem Südtiroler Andreas Seppi an, in Runde drei wartet bereits Novak Djokovic.
Tennis Germany tippt: Alles Kopfsache. Kann Kohlschreiber das abrufen, was in ihm steckt, steht womöglich gar ein deutsch-deutsches Viertelfinale gegen Tommy Haas an. Selbstzweifel und Konzentrationsschwächen können allerdings auch zu einer glatten Erstrundenniederlage führen. "Kohli" ist wie immer kaum einzuschätzen.
Schulterschmerzen machten der 19-jährigen Senkrechtstarterin aus Berlin zuletzt zu schaffen. Der verletzungsbedingten Aufgabe in der dritten Runde des Vorbereitungsturniers von Los Angeles folgte daher eine Absage für Cincinnati und Toronto in den letzten Wochen. "Ich fahre jetzt erst einmal nach hause und hoffe, dass es bald besser wird", erklärte sie. Aufatmen konnte sie erst vor vier Tagen nach einem Arztbesuch: "Es ist nicht so schlimm, wie zuerst gedacht. Ich kann spielen." Erstrundengegnerin Aravane Rezai aus Frankreich ist als Weltranglisten-37. zwar ein schwieriges Los zum Auftakt. Ein Sieg kann Lisicki aber schnell das nötige Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben geben, denn schon in der dritten Runde wartet mit der ehemaligen Weltranglistenersten Ana Ivanovic die erste große Hürde.
Tennis Germany tippt: Alles Formsache. Ein glatter Erfolg zum Auftakt wird bei Lisicki Kräfte freisetzen und sie in die zweite Woche, d.h. das Achtelfinale, katapultieren. Sollten die Schulterschmerzen jedoch wieder auftreten, ist eine frühzeitige Aufgabe bzw. komplette Absage nicht ausgeschlossen.
Vor genau einem Jahr feierte die ehemalige Weltranglisten-14. nach zwei verkorksten Jahren das große Comeback: Bei den US Open gelang aus dem Nichts der Einzug ins Achtelfinale. Seitdem tritt Grönefeld allerdings auf der Stelle. Auch im Vorlauf des diesjährigen Turniers gelang nicht viel, dem Zweitrundenaus in Cincinnati folgte eine ernüchternde Niederlage in der Qualifikation von Toronto. Gegen Erstrundengegnerin Jie Zheng aus China steht dazu eine 1:3-Bilanz zu Buche.
Tennis Germany tippt: Von Kommentatoren oft als "Wundertüte" beschrieben, gelingt Grönefeld oft gerade dann ein Befreiungsschlag, wenn niemand damit rechnet. Die Vorzeichen stehen dafür allerdings genauso schlecht wie im letzten Jahr: Ihre mögliche Zweitrundengegnerin Alizè Cornet aus Frankreich führt in der Bilanz mit 3:1, Nadia Petrova (Russland) in Runde drei gar mit 7:1.
Nach ihrem Turniersieg in Bad Gastein vor wenigen Wochen und dem Halbfinaleinzug in Istanbul ist Petkovic von allen deutschen Vertretern am besten in Form. Zwar setzte es mit dem frühezeitigen Aus in der Qualifikation von Toronto einen kleinen Dämpfer, nicht zuletzt aufgrund der Auslosung in New York dürfte die Hessin aber guter Dinge sein: Zu Beginn geht es gegen eine Qualifikantin. Sybille Bammer (AUT) wird dagegen in Runde zwei schon schwieriger zu bezwingen sein, in Runde drei würde als Belohung dafür das Spiel des Jahres warten: Mit Lokalmatadorin Serena Williams stünde Petkovic vor der ersten Night Session ihrer Karriere.
Tennis Germany tippt: "Petko" ist gut drauf und selbstbewußter denn je. Das Erreichen der dritten Runde ist daher machbar. Als Underdog vor Tausenden frenetischen Zuschauern ist das Ergebnis des Matches gegen Serena Williams dann beinahe Nebensache.
Weitere Erstrundenpartien mit deutscher Beteiligung:
Philipp Petzschner (39) - Sergej Stakhowsky (UKR, 132)
Andreas Beck (40) - Evgeny Korolev (RUS, 80)
Benjamin Becker (45) - Fernando Verdasco (ESP, 10)