Und wieder hat Deutschland einen Rentner mehr in seinen Reihen. Tomas Behrend möchte sich mit 33 Jahren nun vor allem seiner Familie widmen. Bis auf Rang 74 hatte er es im Einzel und auf Platz 43 im Doppel geschafft, aber der gebürtige Brasilianer will den Schläger nur kurz beiseite legen – denn er hat noch viel vor mit der deutschen Tennisjugend.
Tomas Behrend und Familie
Warum haben Sie sich entschieden, in Tennis-Rente zu gehen? Gab es einen konkreten Auslöser?
Tomas Behrend: Nach 16 Jahren Profitennis hatte ich einfach nicht mehr die Kraft, mich auf eine neue Saison vernünftig vorzubereiten. Mir fehlte die Motivation. Außerdem bin ich im März Vater geworden und will miterleben, wie mein Sohn groß wird.
Haben Sie denn das Gefühl, dass der Zeitpunkt zum Aufhören richtig ist?
Behrend: Auf jeden Fall. Ich höre ja auf, weil ich es will und nicht, weil ich es muss. Das ist für mich ein sehr gutes Gefühl, den Zeitpunkt meines Karriere-Endes selbst zu bestimmen. Und nicht deshalb aufhören zu müssen, weil man bei den großen Turnieren nicht mehr dabei ist.
Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie in Ihrer Karriere erreicht haben?
Behrend: Jein. Heute weiß ich, dass ich mehr hätte erreichen können. Einerseits, bin ich sehr stolz auf alles, was ich geschafft habe. Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, ich werde alle Grand Slams Turniere spielen können, ich werde Davis Cup und World Team Cup für Deutschland spielen können, den hätte ich für verrückt erklärt. Aber andererseits ist man als Sportler natürlich auch ehrgeizig und will immer noch mehr.
Gibt es einen Moment in Ihrer Karriere, an den Sie sich besonders gerne erinnern?
Behrend: Da gibt es einige. Aber sehr emotional war zum Beispiel mein Spiel in Düsseldorf beim World Team Cup gegen Marcelo Rios. Das war mein erstes Spiel für Deutschland und dann auch noch so ein Sieg (3:6, 7:5, 7:6, Anm. d. Red.)! Der Einsatz beim Davis Cup war auch ein sehr besonderer Moment, genauso wie mein erstes Match bei den Australian Open 2000, da hatte ich mich zum ersten Mal direkt für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert.
Fehlt Ihnen etwas auf Ihrer „Das-hätte-ich-gerne-noch-gemacht“-Liste?
Behrend: Etwas gibt es da immer. Ich habe leider nie auf einem Centre Court bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt. Das hätte ich gerne einmal gemacht. Am bestem im Endspiel, aber das habe ich leider auch nicht geschafft.
Werden Sie das Leben auf der Tour vermissen?
Behrend: Ich denke nicht. Die Tour war sehr schön, aber vermissen werde ich nichts. Ich habe auch schon viele Pläne für mein „neues Leben“.
Und wie sehen die aus?
Behrend: Tennis wird natürlich weiterhin eine sehr große Rolle in meinem Leben spielen. Ich finde es wichtig, dass ehemalige Tennisprofis sich auch nach ihrer Karriere dem Tennissport widmen. Schließlich können wir den Nachwuchsspielern unsere Erfahrungen weitergeben, sowohl positive als auch negative. Wir wissen, was die zukünftigen Spieler alles brauchen, um ein Top-Spieler zu werden.
Wie soll das konkret aussehen?
Behrend: Ich werde mich ab 2008 um den Tennisnachwuchs kümmern. Ich werde in der Region Aachen bleiben, Jugendturniere besuchen und versuchen, Kinder und Jugendliche zu finden, die die richtige Einstellung haben, um den Weg nach oben zu gehen. Diese werde ich dann fördern und ausbilden.
Das heißt also, Deutschland bleibt weiterhin Ihr Lebensmittelpunkt und nicht Brasilien?
Behrend: Auf jeden Fall. Ich habe aber eine sehr enge Verbindung nach Brasilien, denn meine ganze Familie lebt hier. Und im Moment genieße ich mit meiner Frau und meinem Sohn die Zeit hie, wir bleiben den ganzen Dezember über. Aber in Deutschland fühle ich mich ganz zu Hause und dort sehe ich meine berufliche und private Zukunft. TG